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Offener Brief an Landrat Schnipper
Kreistagsbrief 05.02.2003
Brief an den KVR
Loemühle nach der Privatisierung

Flugplatz Loemühle-2 Jahre nach der Privatisierung



Bereits in der zweiten Saison betreiben nun die Flieger von Loemühle ihr Hobby auf eigenem Flugplatz ohne jegliche Einflussnahme von Politik oder Verwaltung.

Die Bürgermeister von Marl und Recklinghausen, die den Fliegern mit Rücken-deckung durch den Landrat den Flugplatz quasi geschenkt haben, erwarten positive Effekte für die Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. Schon deshalb macht es Sinn festzuhalten, was sich in den letzten Jahren auf dem Flugplatz und in seiner Umgebung getan hat.

Der Fluglärm, das zentrale Thema der LSG, hat für alle erkennbar zugenommen. Ursächlich dafür ist nicht nur die Rücksichtslosigkeit der Flieger, sondern auch die Qualität und Struktur des Flugverkehrs. Mehr denn je wird die Charakterisierung „Schwerpunktlandeplatz für den Geschäftsreiseverkehr“ ad absurdum geführt, es findet immer mehr Spaßfliegerei in allen Variationen statt. Dass diese Flugzeuge der Hobbyflieger und Fallschirmspringer in der Statistik als „gewerblicher Verkehr“ erfasst werden, sagt nichts über den Zweck der Flüge aus.

Noch immer finden drei Viertel aller Flüge in der Platzrunde statt, ein sicheres Indiz für Spaßfliegerei. Um auch diese Flüge in der Statistik als „gewerbliche Flüge“ erscheinen zu lassen, reicht es völlig aus, wenn der Pilot oder sein Auftraggeber über einen Gewerbeschein verfügt. So wird die Mär vom „Schwerpunktlandeplatz für den Geschäftsreiseverkehr“ und damit auch die Sicherung der Subventionen aufrechter-halten. Tatsächlich wird der Flugplatz „schwerpunktmäßig“ folgendermaßen genutzt:



Die Zahl der Absetzflüge für Fallschirmspringer nimmt von Jahr zu Jahr zu, häufig wird mit zwei Maschinen geflogen.
Ein Exemplar des angeblich größten Doppeldeckers hat seinen Standort auf Loemühle. Diese russische Höllenmaschine steht für Rundflüge bereit.
Ultraleichtflugzeuge sind auch auf Loemühle auf dem Vormarsch. Auf diesem privaten Flugplatz kann sich jeder austoben.
Auch Kunstfliegern wird dieser Standort gern angeboten. Ein neuer, vor allem über dem Naturschutz- und Naherholungsgebiet Haard besonders aktiver „Akrobat der Lüfte“ kommt aus Düsseldorf und hat hier endlich die Möglichkeiten gefunden, die ihm an anderer Stelle verwehrt werden.
Auch die Möglichkeiten, die sich aus dem fehlenden Nachtflugverbot ergeben, werden massiv genutzt. Die Skater sind schon vor geraumer Zeit „in die Wüste“ geschickt worden. Die Landebahn kann nun auch abends und bei Dunkelheit für Trainingsflüge genutzt werden. Darüber freuen sich Flugschüler aus ganz NRW.
Zu den neuen Aktivitäten zählen auch Disco-Großveranstaltungen und Autorennen auf der Start- und Landebahn. Planungsrechtlich sind diese Events auf dem Flugplatz nicht erlaubt, aber man weiß ja die Ordnungsbehörden auf seiner Seite




Die Flugplatzbetreiber denken weiterhin an Expansion. Es besteht noch immer die Absicht der Landebahnverlängerung. Obwohl es unglaublich klingt, kann ein solches Vorhaben wie auch die Durchführung von anderen Investitionen weiterhin durch das Land NRW gefördert werden. Das Verkehrsministerium hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass es Investitionen auf Flugplätzen unabhängig von der Frage fördert, ob der Platz von einem öffentlichen oder privaten Betreiber bewirtschaftet wird. Mit anderen Worten:
Die Subventionierung von Loemühle geht weiter!

Flugplatzbetreiber und -nutzer sind häufig nur Tagesgäste. Für ihren Spaß wird von den politisch Verantwortlichen die Lebens- und Wohnqualität der Anwohner geopfert.

Wertverluste bei den Immobilien der eigenen Bürger - und Wähler- werden in Kauf genommen.

Selbst in Haltern-Flaesheim haben sich inzwischen Bürger zusammengetan, die über die Lärmentwicklung über der Haard, die von den Loemühle - Fliegern ausgeht, empört sind.

Diese Entwicklungen können auch den Politikern nicht entgangen sein, die die Privatisierung von Loemühle herbeigeführt haben. Für sie aber besteht das Thema nun nicht mehr, wie die Antwort der Marler Bürgermeisterin auf eine Anfrage der Wählergemeinschaft Die Grünen deutlich macht.

Die Bürgermeisterin wurde aufgefordert, sich der Verantwortung „für diejenigen Teile der Bevölkerung zu stellen, die ein Recht darauf haben, gegen die vom Flugplatzbetrieb ausgehenden Belästigungen geschützt zu werden“.

Mit ihrer fadenscheinigen Antwort entzieht sich die Bürgermeisterin ihrer Verantwortung, wenn sie schreibt: „Die zuvor gegebenen Einflussmöglichkeiten als Mitgesellschafterin der Betreibergesellschaft hat die Stadt Marl ebenso wie der Kreis Recklinghausen nicht mehr“ (Sitzungsvorlage Nr. 2008/0339 vom 9.6.2008).

So oder ähnlich dürfte auf eine entsprechende Aufforderung auch die Antwort des Recklinghäuser Bürgermeisters ausfallen, der eindeutig größte Verfechter der Privatisierung.

Offen bleibt also die Frage, an welcher Stelle und wodurch sich positive Effekte für die Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung durch den Flugplatz Loemühle ergeben.

Leider muss erwartet werden, dass es darauf auch im nächsten Kommunalwahlkampf keine Antwort gibt.

Dennoch darf die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, und dazu ist es notwendig, dass die Bürger ihre Entrüstung deutlich machen.



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